Sevn little numebers

... später
(freitag, 09.03.2012 bzw. Samstag 10.02.2012, 01:58 Uhr )

"Nach Weißwein, Tequila, Gras und Koks muss etwas schreckliches kommen,
habe ich gehört."
Ich hebe mich vom Boden auf und versuche mit aller Kraft aus meiner Wohnung zu fliehen, was meine sehr verantwortungsbewussten Freundinnen zu verhindern wissen, indem sie mir erklären was ich kann und was nicht. Ich versuche ihnen klar zu machen dass ich eins nicht kann, hierbleiben. Seven Little Numbers von Boy läuft in Dauerschleife, keine Ahnung warum. Und so sause ich, mit Coat in Grauschwarz und dunkelgrüner Fake-leder Hose durch den Flur, eine Freundin versucht mir hinterherzukommen und ich so raus ins Treppenhaus und direkt in die Arme von zwei Schwarzgekleideten Mittvierzigern, die merkwürde Embleme auf ihren Jacken tragen und Walkie-Talkies an den Gürteln. Ich halte, viel zu entspannt einen 4 Minütlichen Klatsch mit den beiden, und versuche, erschreckend erfolgreich, so nüchtern wie möglich zu wirken.
Als wir in der Stadt sind, muss ich mich stärken, keine Tränen der Reue werden verdrückt, als ich eine Dose Cola und 2 Zigarrabörek in mich reinstopfe (die Dose esse ich natürlich nicht, schütte nur die Cola in mich rein) und so treffe ich auf Freunde, denen es mindestens genauso gut geht wie mir.
Ich schreie über die ganze Kreuzung, was ich sonst nie mache.
Ich hänge den ganzen Abend mit den Jungs rum und habe Spaß.
Irgendwann als die Sonne aufgeht und ich die Farbe bewundere die sich über unseren Köpfen ergießt, sitze ich in einem Biergarten auf einem Barhocker, mein bester Freund, bei dem ich schlafen werde, mir gegenüber, ein unheimlich lächerlich dummer Junge, der zu seinem Glück so gut aussieht, dass jedes stink normale Mädchen mit ihm schlafen würde, und einem weiteren Jungen der nicht so lächerlich aber immerhin noch viel mehr von sich selbst überzeugt ist. Dann seht da noch einer von dieses mehr oder weniger respektierten "Musikern" die elektronische Musik machen, Sprayen und Kiffen. Er klagt darüber, dass er nur noch Tracks auf seinem Laptop bauen kann. Neben ihm steht Domino, ein nettes nicht super blödes Mädel, dass einen verdammt unseriösen Namen hat. Und daneben ein Typ, vielleicht Ende Zwanzig, schmieriger, unendlich lächerlicher Typ, mit Rotem Haar und geschmacklosem dunkelgrauem Anzug mit schwarzem Hemd, der unablässig Scheiße erzählt,
und gefangen in dieser Kombination an Menschen komme ich nicht mehr aus dem Lachen raus, solange bis ich mich in einer vollkommen unangebrachten Situation wieder finde und keine Worte habe, keine.
"Auf dich komme ich sowieso nicht klar, Eva, es gibt keinen Menschen der mich so gut versteht wie du"
Und in 1 Stunde, um 15 Uhr habe ich eine Verabredung und jetzt sag einfach irgendetwas, irgendetwas.

(Samstag, 10.03.2012, 15:30 Uhr)
Es ist fast unerträglich wie hübsch du bist.
Wir sitzen uns gegenüber, schweigen uns viel an, was mir noch nicht angenehm, sondern komisch, wenn nicht sogar, bei dem Gedanken, dass wir bei gleich schüchtern sind, eher normal vorkommt. In einer dieser Redepausen läuft Seven Little Numbers von Boy auf dem Monitor der an der Wand mir gegenüber hängt.
Ich habe angefangen zu rauchen und als wir aus Bube Dame Ass Spion kommen, 8 h später, habe ich mich damit angefunden und es sogar geschafft mir einzureden dass es ganz lässig ist und wenn ich an die 50er denke sowieso als die einzige Lösung aller Diskussionen scheint. Das schweigen ist angenehm geworden. Wir begießen unseren inneren Durst und hängen eine Weile in einer Bierkaschemme, bis die zumachen und wir uns dann in seiner Wohnung gegenüber sitzen, er Rum trinkt, und ich Bier, wir weiter rauchen und anstarren und blöd rumlächeln und irgendwann genieße ich das Schweigen sogar.
Ich fahre einfach so nach Hause und freue mich schon, vergesse darüber ein wenig meine verzwickte Lage und muss die ganze Zeit dumm grinsen.

1 Kommentar:

F. hat gesagt…

"Why do we feel it's necessary to talk about bullshit in order to be comfortable? you know you've found somebody special when you just shut the fuck up for a minute and comfotably enjoy the silence", Mia Wallace sagt das in Pulp Fiction und das steht gerade genau in meinem Kalender, diese Woche (ich schreibe mir immer wahnsinnige viele Zitate und alles mögliche hinein). weißt du, ich finde es ganz beeindruckend, wie du schreibst.